Ein feines Gespür für Seelenmusik
Staatskapelle überzeugt geleitet von Asher Fisch
[MZ, 1.6.10 - von Eckehard Pistrick]
Der israelische Dirigent Asher Fisch dirigiert das romantische Repertoire wie andere moderne Musik dirigieren. Das Resultat dieser Präzisionsarbeit ist nicht etwa ein unterkühlter Klang, sondern ein schlanker ungemein impulsiver Zugang zu dieser Musik. Das zeigte das letzte Sinfoniekonzert der Saison. In der sehr gut besuchten Händel-Halle gab der vielfach gefeierte Wagner-Spezialist mit der Staatskapelle Beethovens "Vierte" - durchströmt von großer innerer Ruhe.
Gastdirigent Fisch arbeitete an diesem unterschätzen Meisterwerk wie ein Goldschmied: Er schliff, ziselierte und glättete und rückte die Klangqualitäten des Orchesters ins Rampenlicht. Gerdade im zweiten Satz ließ die Durchsichtigkeit des Streicher-Klangs keine Wünsche offen, und die Klarinette sorgte mit ihrem lyrischen Solo für ein Glanzlicht. Auch wenn Fisch konsequent die dynamischen Extreme zuspitzte, stellte sich doch nie der Eindruck des Theatralischen ein. Vielmehr merkte man, dass Fisch daran lag, die innere Kraft der frühromantischen Musik hörbar zu machen.
Miniatur-Oper
Auch für die "Seelenmusik" des Schönberg-Lehrers Alexander von Zemlinsky bewies Fisch ein feines Gespür. Das orchestral dichte Werk mit seinem philosophisch angehauchten Liebesdrama enthüllte gerade durch die ausgezeichnete Besetzung mit Roman Trekel als Bariton und der Sopranistin Romelia Lichtenstein sein Potential als Miniaturoper. Besonders der emphatische Bariton von Trekel erwies sich zur Bändigung des Seelensturms als beste Wahl. Vom Sopran hätte man sich gerade zu den spielerischen Tanzmotiven des Orchesters etwas mehr Leichtigkeit gewünscht. Doch fiel dies bei dieser faszinierenden Jugenstil-Musik kaum ins Gewicht. Und so erlebte man das meditative Finale des Werks und das Warten auf den Grundton mit großem Genuss noch einmal auf die glänzend aufgelegten kristallinen Striecher und warmen Holzbläser lauschend.
Werk aus Winterschlaf geholt
Das Dirigier-Phänomen Asher Fisch jedenfalls hat auch in Halle gezeigt, dass er nicht nur Werke aus ihrem Winterschlaf holen kann, sondern auch ein Oprchester mitreißen und quasi zum Sturm und Drang führen kann.
Frühlingshafte Klangfarben
Die Staatskapelle glänzte mit Debussy, Alban Berg und Brahms sowie dem technisch brillanten Solo-Geiger Kolja Blacher
[von Helen Hahman, MZ 3.5.10]
Beim siebten Sinfoniekonzert der Staatskapelle erklang in der Händel-Halle die ganze Palette der Klangfarben. Ein Programm, das mit seinen Tönen Bilder zeichnete: Das Publikum erwarteten Werke von Debussy, Alban Berg und Brahms.
Eine Feder im Winde
Eine reizvolle Stimmung konnten die Zuschauer im ausverkauften Saal gleich zu Beginn des Konzerts einatmen. Die Flöte setzte solistisch ein und erfüllte den Raum mit milder Wärme. Sie intonierte das Leitmotiv von Debussys "Nachmittag eines Faun": eine Feder, die vom Wind getragen wird. Frühlingshaftes Grün, das die kühlen Morgenstunden tränkt. Debussys von der Pariser Weltausstellung und impressionistischen Gemälden inspiriertes Werk von 1894 wirkt verträumt, fast märchenhaft. Es verzichtet auf harte, metallene Klänge und gibt den Holzbläseren den roten Faden in die Hand. Den nahmen die Musiker mit spielerischer Leichtigkeit und Einfühlungsvermögen auf. Die Motive wurden zwischen den Instrumenten hin und her jongliert und wurden zu zarten Tongemälden.
Bildhaft ist auch die musikalische Sprache von Alban Berg. Auf dem Programm stand sein Kammerkonzert für Klavier und Geige mit 13 Bläsern. Wenngleich Berg wesentlich abstrakter mit Tönen umging als Debussy, so war seine Musik keineswegs weniger plastisch. Einem reißenden Bach gleich sprudelte das Piano und peitschte um die Hörner-Motive. Präzise und kraftvoll spielte Michal Friedländer den Flügel. Es waren die Blasinstrumente, die sich die Hauptsimme zuspielten. Tosende Triller der Klarinetten wanden sich um die meterhohen Wellen der Fagotte. Strümisch expressiv und dann plötzlich gelöst lyrisch.
In diesem Moment setzte der Berliner Violinist Kolja Blacher ein. Unverhofft. Wie ein Schiffchen mit Segeln trieben die Motivlinien der Violine auf dieser stürmieschen See. Wachsam und rege führte Blacher seine Stimme durchs Getöse. Auf der Lauer liegend, die Knie leicht gebeugt, vollendet der überzeugende Interpret und Professsor an der Musikhochschule "Hanss Eisler" diesen musikalischen Sturm auf hoher See. Technisch brillant - einmal gleißendes Sonnenlicht erzeugend, dann wieder bewegungsloses Gewässer herbeizaubernd.
Bedrohliches Wetterleuchten
Das Konzert wurde mit Brahms' erster Sinfonie abgerundet. Bald 14 Jahre vergingen von der ersten Skizze bis zum vollendeten Werk. Auch Brahms bot - passend zum Frühling - Klangfarben, die von morgendlicher Helligkeit bis hin zu bedrohlichem Wetterleuchten reichten. Entsprechend üppig war der Applaus für das von Karl-Heinz Steffens geleitete Orchester.
Geheimtipp der Moderne präsentiert
Die Staatskapelle stellt in der "K-Reihe" Rudolph Escher vor, den wichtigsten neueren holländischen Komponisten - dirigiert von seinem Landsmann Hans Rotman.
[von Ekkehard Pistrick, MZ 24.4.10]
Dass man einem Dirigenten über die Schulter schauen kann, ist selten. Noch seltener kann man ihm aus den Zuschauerreihe bis in die Partitur blicken. Dieser seltene Fall von Intimität zwischen Publikum und Musikern ergab sich am Mittwoch in der "K-Reihe" im fast familiären Rahmen der Probebühne des Neuen Theaters. Dirigent Hans Rotman präsentierte "einen Geheimtipp der Moderne" - die Sinfonie für zehn Instrumente des Holländers Rudolph Escher.
Dabei erwies sich einmal mehr der Umstand, dass Rotman selbst Komponist ist, als ein Glücksfall für seine Mission, hallesche Ohren für die zeitgenössische Musik - oder wie er es gerne ausdrückt "die richtigen falschen Töne" - zu öffnen. Wenn er beginnt, die Intervalle mit Häuserwänden zu vergleichen, die dann mit Farben ausgefüllt werden; wenn er von Verschleierungs-Taktiken, Materialschlachten oder sogar den "Taliban der neuen Musik" spricht, dann wird die für Viele schwierige Materie sofort lebendig.
Eindrucksvoll zeigte Rotman, wie Escher (1912-80) mit seinem nostalgischen, neo-impressionistischen Pathos immer neue Verfremdungs-Szenarien des Klangs entwickelt, die bei seinen Zeitgenossen freilich auf Unverständnis stießen. Escher steht für eine sehr individuelle exzentrische Ausduetung der Moderne, die statt Zwölftontechnik die großen Heroen der Musikgeschichte favorisiert. In der Tat ist die "Sinfonia" mit ihrer düster-archaischen Klangwelt, zu der sich selten impressionistische Bläserpassagen, Jagdhorngänge oder Nachklänge von Gustav Mahler gesellen, ein kleines Juwel.
Die Staatskapelle fand in kleiner Besetzung zur großen Geste und transportierte die rhythmische Urkraft des ersten Satzes mit spielerischer Begeisterung. Immer wieder stieß man in dieser Musik auf Brüche und Widersprüche, wie etwa in einer bizarren Flötenkadenz in höchsten Tönen, die den Solo-Flötisten zu Höchstleistungen herausforderte. Auch das Mystisch-Exotische mit parallelen, tiefen Streichern und die großorchesteralen Wirkungen am Ende des zweiten Satzes gelangen eindrucksvoll. Im abschließenden Satz mit seinen orientalisch verfremdeten Tango-Nachklängen lag Hochspannung in der Luft der Probebühne.
Rotman und seine Musiker lieferten mit ihrem jüngsten Konzert einen mitreißenden Salto mortale, der durch den kleinen Rahmen sogar noch an Intensität zu gewinnen schien. Auf das nächste Konzert mit der skurrilen Chamber Symphony des Amerikaners John Adams am 2. Juni darf man schon jetzt gepsannt sein.
Ein letztes Konzert der "Ära Klier"
"Kurz vor Torschluss" noch eine Rarität: Wolf-Ferraris Violinkonzert [
Salzburger Nachrichten, 14.4.10]
Zwei Konzerte der Staatskapelle Halle und eines der Brünner Philharmoniker waren diesmal mehr als nur die letzten der Saison der Salzburger Kulturvereinigung. Es waren auch die letzten, die Heinz Klier für "seine" Organisation programmiert hat.
Und er machte dabei einen Teil seines Publikums sogar noch mit einer Rarität bekannt: dem Violinkonzert von dem Deutsch-Italiener Ermanno Wolf-Ferrari, der bis zu seinem Tod 1948 eine ganz eigene Brücke zur Tradition zu schlagen vermochte. Italianità (in der Eleganz der Themenfindung oder dem verspielt-pointierten Rhythmus des Rondo-Finales) trifft da auf eine vor allem im ersten Satz breit ausschwingende, fließende geigerische Erzählhaltung, der der Solist Thomas Christian ein hohes Maß an pulsierendem Temperament, kontrollierter Emphase und souveräner "Stimmführung" sicherte. Das Singen auf dem Instrument, ohnehin der Geige eigen, wird in der Romanze mit Gusto veredelt.
Bemerkenswert aber auch das Orchester, das von dem ehemaligen Soloklarinettisten der Berliner Philharmoniker, Karl Heinz Steffens, präzise und diszipliniert, handwerklich klar und engagiert zu homogener Klangentfaltung angeregt wird. So wurde vor allem Bartóks Konzert für Orchester zum ganz eigenen Erlebnis: Trennscharf in den Konturen, in jeder Gruppe, besonders aber bei den famos abgestimmten Bläsern, exzellent ausartikuliert, voll nobler Distinktion und transparenter Leuchtkraft, war das bekenntnishafte Werk hier in einer mustergültig klaren Wiedergabe zu erleben, die Vergleiche nicht zu scheuen brauchte. Im Gegenteil: Alles hatte eigenes Gewicht, gleichermaßen Tiefe und Leichtigkeit, existenzieller Ernst und durchscheinende Beweglichkeit: zum Staunen mit gespitzten Ohren.
Staatskapelle rüstet sich für Salzburg
Thomas Christian spielt seltenes Violinkonzert in Österreich [MZ, 24.3.10]
So sieht ein treues Publikum aus. Die entlegene Ouvertüre, das selten zu hörende Violinkonzert, auch das Orchesterwerk wahrlich kein Ohrwurm - alles kein Grund für die Hallenser, dem Sinfoniekonzert fernzubleiben. Gut gefüllt war die Händelhalle, als die Staatskapelle das zweite Programm für ihre Gastspielreise nach Salzburg ausprobierte. Und viel Beifall gab's, speziell für die sperrigeren Werke, denen sich das Orchester unter Chefdirigent Karl-Heinz Steffens widmete.
Die "Zauberharfe"-Ouvertüre allerdings bedürfte einer ebenso gründlichen wie liebevollen Politur, denn die Österreicher kennen ihren Schubert genau. Denen sollte man den stumpfen Klang der hohen Streicher, die erdrückende Präsenz der Blechbläser, das klapprige Zusammenspiel und den insgesamt spannungsarmen Vortrag nicht anbieten.
Mit dem selten aufgeführten Violinkonzert von Ermanno Wolf-Ferrari - er war für ein paar Jahre Kompositionsprofessor am Salzburger Mozarteum - wuchs nicht nur die Höhe der Aufgabe.
Nun wurde auch Musik gemacht, soweit möglich jedenfalls, denn für den Solisten ist das Stück im spätromantischen Duktus eine sagenhafte Plackerei. Der österreichische Violinvirtuose Thomas Christian stellte sein brillantes technisches Vermögen mit ebensolcher Verve aus, wie er das üppig instrumentierte Stück nach klanglich extravaganten, seelenvollen Nuancen durchforstete: zunächst mit Balkankolorit, angeschliffenen Tönen, zu viel Vibrato und schluchzenden Doppelgriffen, später mit mehr Klarheit und Eleganz im Ton.
Das Korrespondieren der Instrumentengruppen in Béla Bartóks Konzert für Orchester verlangt einen großen Klangkörper mit exzellent besetzten Solopositionen. Einen wie die Staatskapelle. Steffens zelebrierte zum guten Schluss ein sinfonisches Großereignis, das unter die Haut ging. Ein Kosmos orchestraler Ausdrucksnuancen tat sich auf, von der expressiven Klanglandschaft über die Tragödie bis hin zur Eulenspiegelei. Die Freude am Wechsel der Gestalten war stets spürbar. So musiziert sollte das Opus, welches dem Orchester wie seinem Chef besonders zu liegen scheint, auch im Salzburge Festspielhaus unbedingt Eindruck machen.
Taktstock in Barenboims rechter Hand
Julien Salemkour dirigierte beim Sinfoniekonzert Rachmaninows "Fünfte" glühend expressiv. Der Komponist David Robert Coleman saß am Sonntag im Publikum [MZ, 2.3.10 - von Helen Hahmann]
Das Progrmam des fünften Sinfoniekonzerts der Staatskapelle changierte zwischen klassischen, modernen und populären Bezügen in der Orchestermusik. Dirigiert hat das Konzert die rechte Hand von Daniel Baremboim an der Berliner Staatsoper, der Dirigent Julien Salemkour.
Anspruchsvoll klang Paul Dessaus "Musik für 15 Streichinstrumente", wenngleich der Komponist seine musikalischen Formulierungen klar und übersichtlich gestaltete. Die erste Violine kostete ihre Solostellen klag- und vibratoreich aus und führte den Streichersatz verantwortungsvoll an. Das Werk selbst entstand nur wenige Wochen vor Dessaus Tod im Jahr 1979. Der Komponist war 1948 aus dem New Yorker Exil bewusst in die sowjetische Besatzungszone zurückgekehrt und begann seine aktive Arbeit im damaligen Kulturleben mit der Hoffnung, den Aufbau eines demokratischen Sozialismus mitgestalten zu können. Das Orchesterwerk zeigt Dessaus kompositorisches Vermögen, das häufig von den Behörden der DDR als "volksfremd und formalistisch" auf die Strafbank verwiesen wurde.
Anklänge von Tanzmusik
Der in London geborene Komponist David Robert Coleman war zur Aufführung seines Werkes "Albéniz Phantasy for Viola and Orchestera" am Sonntagvormittag im Publikum anwesend. Die Solo-Bratsche wurde von Felix Schwartz gespielt, der eine Professur an der Musikhochschule in Rostock innehat. Sein Vortrag war vor allem durch feinsinniges Gespür für rhythmische Wechsel hörenswert, denn Komponist Coleman forderte dem Musiker durch seinen Anspruch, "assoziative Strömungen zwischen zwei kleinen Inseln des zitierten Materials" herstellen zu wollen, viel ab. So fanden sich in dem Werk neben Bach-Zitaten und Anklängen an Tanzmusik auch richtig gehende Halbton-Gewitter wieder. Weiteres Material wurde aus der Klaviersuite "Asturias" des spanischen Komponisten Isaac Albéniz entlehnt.
S
alemkour führte das fünfte Sinfoniekonzert in der zweiten Konzerthälfte auf seinen Höhepunkt. Nachdem sein Taktstock vor der Pause noch in kleinen, präzisen Bewegungen kreiste, vergrößerte sich deren Radius für Rachmaninows dritte Sinfonie auf weite, weiche Bögen der Arme, die bis zu den Musikern in den hinteren Reihen zu reichen schienen. Mit punktgenauen Impulsen des Körpers verstand es Salemkour, das Orchester in das wogende Spiel von grüblerischer Gefasstheit und brausender Tutti-Euphorie mitzunehmen. Die Dialektik im Stück spiegelt Rachmaninows innere Zerrissenheit in einigen Teilen wider. Vom Verlust seiner russischen Heimat im Jahr 1917 sollte sich der Komponist nicht mehr erholen. Er verfasste die Sinfonie 1936 im Exil in den USA erst nach unzähligen kreativen Blockaden.
Reichlich Beifall
Im Unterschied zum meist ausverkauften Montagabend war der Besuch beim ersten Konzert am Sonntag mittag nur mittelmäßig. Man kann sich fragen, woran das lag. Etwa daran, dass das älteste Stück im Programm vor nicht mal 75 Jahren entstand? - Wie auch immer. Für die, die da waren, hat sich der Besuch jedenfalls vollauf gelohnt. Und das machten die Zuhörer dann auch mit reichlich Beifall deutlich.
Apollo verzehrt sich nach einer Nymphe
Händel-Kantate in Halle aufgeführt - Zum Hörgenuss gesellt sich purer Spaß am Spiel [MZ, 24.2.10, Ute van der Sanden]
Er liebt sie, sie liebt ihn nicht: Der Mann ist zu bedauern. Ein Gott, der sich nach der wütenden Nymphe verzehrt, welch Desaster! Nikolay Borchev schilderte die Schmach mit solcher Inbrunst in Mimik und Stimme, mit solcher Empathie für das Herzeleid des Apollo, dass sich zum Hörgenuss der pure Spaß am Spiel gesellte.
Gemeinsam mit Myrsini Margariti brillierte der Gast von der Münchner Staatsoper am Dienstag im Mini-Drama "Apollo et Dafne". In Form einer Kantate für Sopran, Bass und Orchester hatte sie der beinahe noch jugendliche Händel in Rom komponiert und ganz dem italienischen Stil verpflichtet. Nun feierten Halles Musiker mit der Aufführung den 325. Geburtstag des Barockmeisters: Mal was anderes als die gewohnte Wiederaufnahme der musiktheatralischen Festspielproduktion aus dem Vorjahr, auf die in dieser Saison verzichtet wurde.
Der passabel besuchte Abend des Händelfestspielorchesters in der Oper war eher Kammer- als Festkonzert, eher Ständchen als Sause. Das Dafne-Programm mit Werken von Händel und Zeitgenossen ergab ein geschickt gebautes Pasticcio, so dass der Zwischenapplaus aus purem Anstand ausblieb.
Ohne einige verwackelte Satzanfänge und Lässlichkeiten bei der Instrumentalbegleitung der Vokalpartien, wie sie in Live-Konzerten nun mal passieren, kann die Kantate in selber Besetzung auf der erst vor einer Woche erschienenen CD nachgehört werden. Die Aufnahme, im September in Leipzig produziert, ist zwar mitnichten jene Weltersteinspielung, die die Plattenfirma anpreist. Gelungen ist sie gleichwohl. Grund genug hätte es also gegeben, die Platte nicht nur ins Foyer zu legen, sondern auch auf der Bühne mit passenden Worten zu würdigen.
Das kurzweilige, schwungvoll präsentierte Programm, das temperamentvolle Musizieren des halleschen Spezialensembles, allen voran die Solo-Streicher und Lautenistin Petra Burmann, haben dem Konzertpublikum der Händelstadt offenbar gefallen. Mit dem anschließenden Signieren waren Bernhard Forck, die Sopranistin und der Bariton jedenfalls eine Weile beschäftigt. Als Lohn für seinen grandiosen Klagegesang kriegte er sie nämlich doch: Küsschen hier, Küsschen da - unter Kollegen, versteht sich.
George Frideric Handel: Apollo e Dafne - Dafne suites, Concerto grosso. Avi-music 8553200. Wiederholung des Konzerts am 14. Mai in der Oper Halle